Waldstrasse in Johannisthal

Allgemeine Infos zur Waldstrasse in Berlin Johannisthal

Archiv: August 2008

Waldstraße bleibt nun ersteinmal Waldstraße

Im Nachgang zur gestrigen Anwohnerversammlung hat der BVV Abgeordnete Herr Förster, in einem weiteren Kommentar bestätigt, dass sowohl er als auch Herr Igel zu dem Schluss gekommen sind, die Waldstraße nicht in Minna-Todenhagen-Straße umzubenennen.
Der Antrag zur Umbenennung einer Straße in Minna-Todenhagen-Straße bleibt jedoch bestehen, nur die Waldstraße wird es definitiv nicht sein.
Da der Zeitraum bis zum Bundeskongress der AWO zu kurz sei, würde man nun in Ruhe darüber beraten können, welche andere Straße für diese Umbenennung in Frage käme.

Der Hinweis, den Namen Waldstraße durch einen Zusatznamen vor einer später drohenden Umbenennung zu schützen greifen wir gerne auf und werden dies in der nächsten Zeit miteinander beraten.

Zunächst aber, möchte ich hiermit meine und sicherlich auch die Freude aller anderen Anwohner und Befürworter der Waldstraße zum Ausdruck bringen, dass es zu diesem Konsens gekommen ist.

Unabhängig davon werden wir das geplante Treffen am Donnerstag kommender Woche durchführen, um festzulegen welche Schritte nun noch als nächstes notwendig sind.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Georgiu

Anwohnerversammlung

Die Erste Zusammenkunft der Waldstraßenanwohner fand am 21.08.2008 statt.

Alleiniges Thema war die geplante Umbenennung der Waldstraße in Johannisthal in Minna-Todenhagen-Straße.

Anwesend waren neben ca. 50 Anwohnern auch die BVV-Mitglieder Herr Igel (SPD), Herr Förster (FDP) und Herr Schmidt (CDU)

Nach der kurzen Eröffnung durch Herrn Georgiu, mit einer Zusammenfassung zum Stand der Dinge, gab es weitere Wortmeldungen von Herrn Hoppadietz, Herrn Rompf, Herrn Igel, Herrn Förster, Frau Werner, Frau Lachmann, Frau Gibtner, Frau Weigmann und weiteren Anwohnern.
Herr Förster wies darauf hin, dass eine Umbenennung der Waldstrasse wohl unumgänglich sei, da auch das Tiefbauamt ohne Vorgaben der BVV eine Umbennennung vornehmen könne.

Dies ist für die Anwohner nicht verständlich und auch gegen diesen Verwaltungsakt würden die Anwohner Ihre Stimme erheben.

Es wurde festgestellt dass eine Umbenennung der Waldstraße in Minna-Todenhagen-Straße zum von der BVV gewünschten Termin nicht mehr möglich ist. Dem Vorschlag damit den Ubenennungsvorschlag Ad Acta zu legen wollten Herr Förster und Herr Igel nicht folgen.

Herr Schmidt betonte nochmal, dass seitens der CDU-Fraktion kein Handlungsbedarf in Bezug auf die Umbenennung der Waldstraße gesehen werde.

Der Ortschronist von Johannisthal Herr Rompf erläuterte die historischen Hintergründe der Waldstraße und fügte einen neuen Punkt hinzu.
Es geht hierbei um ein international oftmals verwendetes Bild zum „Befehl Nr.1“ der Roten Armee vom April 1945. Auf diesem Bild sind Johannisthaler Bürger zu sehen die diesen Befehl an der Litfaßsäule lesen, die in der Waldstraße / Ecke Sterndamm steht. Im Hintergrund sind die inzwischen denkmalgeschützten Häuser der Waldstraße zu sehen.

Alle Anwohner sind strikt gegen eine Umbennung der Waldstraße und haben beschlossen eine Abordnung von 4 Bürgern zur nächsten Versammlung der BVV am 04.09.2008 zu entsenden.  Mit zuvor beantragtem Rederecht wird versucht den BVV- Mitgliedern die Wünsche und Gedanken der Anwohner nahe zu bringen.

Empfehlung zur Umbenennung von Doppelbenennungen

Herr Joachim Schmidt, Bezirksverordneter der BVV und stellv. CDU-Fraktionsvorsitzender, hat in einem Kommentar unter anderem folgendes geschrieben:

..die Intention des Antrages im November 2008 anläßlich des AWO-Bundeskongresses die Waldstraße in Minna-Todenhagen-Straße umzubenennen, war vom Ablauf der zeitlichen Fristen von vornherein nur möglich, wenn eine Beschlußfassung in der BVV im Juli erfolgt wäre.
Da dieses so inhaltlich im Antrag zum Ausdruck war eine Ausschußüberweisung wohl zunächst einmal nicht vorgesehen, hätten sich nicht zuvor die Anwohner dagegen geäußert.
Daß die Anwohner vor über 100 Jahren auch keine Möglichkeit hatten die Namensgebung in Waldstraße zu beeinflussen, sondern es nur mit dem Vergleich zu heute ein Beschluß der Gemeindevertretung Johannisthals war, stimmt nicht ganz.
Die Straße wurde vor 116 Jahren angelegt und bekam sofort den Namen Waldstraße. Die Häuser wurden dann nach und nach gebaut. Die Waldstraße war also vor den Menschen da, die sie dann bewohnten und bewohnen.
In der CDU-Fraktion, deren Mitglied ich seit 16 Jahren bin, gab es nie in sämtlichen Fraktionssitzungen Überlegungen welchen Namen die Waldstraße zu bekommen habe. Die Waldstraße hatte für uns immer einen Namen und Umbenennungen galten grundsätzlich als nicht vermittelbar, vor allem bei einer geschichtsträchtigen Straße wie dieser.
Man sollte den schwarzen Peter nicht anderen zuschieben, die mit dem Antrag gar nichts zu tun haben.
Die CDU weiß auch nicht, daß “nach den gesetzlichen Grundlagen eine Unmbenennung vorgenommen werden muß” – im Gegenteil: Die Ausführungsvorschriften zu Straßenbenennungen sind in puncto Straßenumbenennungen zur Vermeidung von Doppelbenennung eine Empfehlung, eine kann-Bestimmung, jedoch kein Zwang….

Wenn also eine rechtzeitige Umbenennung allein schon durch die Zeitverzögerung im November nicht mehr Ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, sollte schon aus diesem Grund von der Umbenennung Abstand genommen werden.

Wir werden auch darüber mit Argusaugen wachen und jede Möglichkeit zur Verhinderung dieser Umbenennung nutzen, zur Not auch mit einer Einstweiligen Verfügung.

Aber ich denke zu diesem Eklat wird es nicht kommen, denn nach Darlegung unserer Argumente für den Namen „Waldstrasse“ in Johannisthal, werden auch die BVV Abgeordneten, die es sicherlich nicht schlecht gemeint haben mit der Umbenennung, nun nach der neuen Sachlage und Kenntnissen der historischen Bedeutung dieser Straße Ihren Antrag am 04.09.2008 im BVV Ausschuß für Bildung und Bürgerdienste zurückziehen.

Der Kiezblick Ausgabe 66 / 2008

Im morgen erscheinenden „Kiezblick“  ist ein Artikel über die Umbenennung der Waldstraße zu lesen.

Der Autor zeichnet hier noch einmal das historische Bild der Waldstraße und gibt einen Überblick über die vielen Persönlichkeiten die bisher in dieser Straße gelebt haben.
Außerdem gibt es einen Hinweis auf das Treffen der Waldstrassenbewohner am Donnerstag den 21.08.2008.

Ortschronist von Johannisthal

Bernd Rompf Berlin, den 14.08.2008

Am Grünen Anger 47

12487 Berlin-Johannisthal

Tel.: 030-6316826

Büro der Bezirksverordnetenversammlung

Treptow-Köpenick

z.H. Herrn Sebastian Ebel

PF 910240

12435 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Überraschung und Befremden musste ich aus einem Artikel von Herrn Ralf Drescher in der Berliner Woche, Lokalausgabe Treptow Nr. 33 vom 13. August 2008 erfahren, dass die Vertreter der SPD und DIE LINKE, sowie die FDP-Verordneten Förster und Ibsch und der Einzelbezirksverordnete Thuge von der Allianz Graue Panther eine Umbenennung der Waldstraße in Johannisthal anstreben und verwirklichen wollen.

Abgesehen von den finanziellen Nachteilen und den ganzen persönlichen Veränderungen der Anwohner, seien es Geschäftsleute und auch private Anwohner, sollte man sich mit der Historie dieser „Waldstraße“ einmal befassen. Es gibt wohl im ehemaligen Bezirk Treptow noch zwei weitere Waldstraßen, deren Bedeutung aber historisch nicht so hervorzuheben ist. Ich möchte Ihnen als gebürtiger Johannisthaler (1932), Ortschronist von Johannisthal und Mitglied des Fördervereins für das Heimatmuseum Treptow e.V. die historische Bedeutung der Waldstraße erläutern:

Die Waldstraße von Johannisthal wurde 1892 als Ortsgrenze im Norden des Ortes als Abgrenzung gegenüber den damaligen fiskalischen Köpenicker Forst angelegt. Sie ist mit eine der ältesten Straßen von Johannisthal, mit ihrem Namen „Waldstraße“. Auf der nördlichen Straßenseite entstand eine Villengegend mit Doppelhäusern, Waldstraße Nr. 24 bis Nr. 40, erbaut 1924/1925 nach Entwürfen von Prof. Dr. N. Soeder für die „Gesellschaft zur Förderung von Bauproduktiv-Genossenschaften“. Es sind zweigeschossige Putzbauten, die in einer als „AMBI-Massiv-Bauweise“ bezeichneten Sparbauweise, mittels Hohlblocksteinen, errichtet wurden. Die Häuser zählen zu den ersten „kubistischen Häusern“ in Berlin, die Einzelformen sind ausdrucksvoll gestaltet: Die Schornsteine und Fenster sind breiter als hoch, die abgerundeten Doppelbalkone sind sehr breit gestreckt. Die Hausecken in Form sich verjüngender Stützpfeiler, lassen die Häuser nach oben breiter erscheinen. Die Vordächer über den Hauseingängen sind spitzwinklig und über dem kräftigen Dachgesims befindet sich ein abgewalmtes Bohlenbinderdach mit Schleppgauben. Jedes zweite Doppelhaus steht zurückgesetzt. Die vorderen Häuser waren dunkelgrün und die hinteren ockerfarbig.

In diesen Häusern wohnten einst vorrangig Beamte, wie: Stadt- und Regierungsräte, Ministerial- und Reichsbahnoberräte, sowie Direktoren von Banken. Im Haus Nr. 38, zweites Haus vom Sterndamm kommend, wohnte von 1937 bis 1945 der bekannte Zoologe, Tierforscher und Direktor des Berliner Zoos, „Prof. Dr. Bernhard Grzimek“. Berühmt wurde er nach 1945 durch seine Forschungsreisen in Afrika und als Direktor des Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main. Vom Johannisthaler Park aus konnte man einen Blick in seinen Garten werfen und viele der dort gehaltenen Tiere beobachten.

Nach 1945 wurden die Häuser von der sowjetischen Militärverwaltung bewohnt. Nach dem Auszug der Sowjets aus den Häusern, im Jahre 1949, waren die neuen Bewohner vorrangig Menschen, die unter dem Nationalsozialismus Repressalien ausgesetzt waren. So wohnten der spätere Oberbürgermeister von Ost-Berlin, Friedrich Ebert mit seiner Familie im Haus Nr. 29, dem Haus seiner Mutter, der Witwe des früheren Reichspräsidenten Friedrich Ebert; der Lehrer und spätere Dekan der pädagogischen Fakultät der Humboldt Universität, Prof. Heinrich Deiters mit seiner Familie im Haus Nr. 33 und der Rechtsanwalt und spätere Vorsitzende der Partei DIE LINKE, Dr. Gregor Gysi, mit seiner Familie im Haus Nr. 37.

Die mehretagigen Mietshäuser auf der südlichen Straßenseite entstanden um 1900, etwa zu Beginn der Blütezeit von Johannisthal.

Das im Berliner Straßengesetz festgeschrieben ist, dass die Zahl der mehrfach benannten Straßen reduziert werden soll, mag alles richtig sein. Dieses Gesetz bezieht sich aber vorrangig auf neuanzulegende Straßen. Gegenüber der anderen beiden Waldstraßen im Bezirk Treptow, hat die Waldstraße in Johannisthal, in ihrer historischen Bedeutung wohl den Vorrang. Die kubistische formalistische Kunstrichtung entstand um 1908/09, als deren Begründer wird Picasso angesehen.

Um die erwähnte SPD-Genossin Minna Todenhagen, als Mitbegründerin und langjährige Engagierte der Arbeiterwohlfahrt zu ehren, bieten sich gute Gelegenheiten im Zuge der Entwicklung der Wissenschaftsstadt Adlershof an. Auch eine der beiden anderen Waldstraßen im Bezirksbereich Treptow, in Adlershof bzw. in Bohnsdorf eignen sich für eine Umbenennung im Rahmen des Berliner Straßengesetzes. Ich möchte noch erwähnen, dass es im Bezirksbereich Treptow noch weitere mehrfach benannte Straßen gibt, so der Birkenweg, die Fließstraße, die Grünauer Straße, die Hoffmannstraße, die Köpenicker Straße und die Rudower Straße.

Ich möchte Sie bitten, bei der Entscheidung die historische Entwicklung dieser Waldstraße nicht zu negieren und von der Umbenennung der Johannisthaler Waldstraße Abstand zu nehmen.

Ich werde mich als alter Johannisthaler und Ortschronist von diesem Ort stets gegen eine Umbenennung einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Rompf

Ortschronist

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